Meine persönliche Geschichte

Angel hat mich auf meinen Weg gebracht

Jasmin Rogatsch küsst ihre Tinkerstute Angel auf die Nase

Weil ich wusste, dass nicht sie das Problem war, sondern ich.

Ich bin nicht mit Pferden aufgewachsen. Aber ich hatte das Glück, innerhalb der Familie Pferde kennenzulernen und bei meiner Mama das Reiten zu lernen. So war mein Einstieg in die Pferdewelt von Anfang an geprägt von Wertschätzung und Rücksicht auf das Pferd – und von der Aufmerksamkeit auf meine eigenen Gefühle, Gedanken und meine Ausdrucksweise.

Jasmin Rogatsch als Kind auf dem Schimmel Gretl

Nach der Scheidung meiner Eltern sollten Pferde weiter Teil meines Lebens bleiben. Mit zehn Jahren machte ich meine erste Erfahrung in einer Reitschule. Schon nach der Schnupperstunde war mir klar: Das ist nichts für mich.

Kurz darauf kam ich über eine Freundin in einen kleinen Privatstall, wo wir die Ponys des Betreibers pflegen durften. Dort gab eine Pferdebesitzerin Voltigierunterricht auf ihrem Pferd. Ich war damals Leistungsturnerin – die Kombination aus Turnen und Pferd war einfach perfekt für mich. Heute weiß ich, wie großartig das für meine Sitzentwicklung war.

Mit vierzehn begann ich eine Lehre, und vom ersten Lohn hatte ich mein erstes eigenes Pferd. Quickly, eine Vollblutstute, war damals schon 24 Jahre alt und hat mir in unseren acht gemeinsamen Jahren unglaublich viel beigebracht.

In dieser Zeit eröffnete bei uns im Ort ein großer Reitstall mit einer kleinen Araber-Berber-Zucht. Eine der Zuchtstuten galt als schwierig und temperamentvoll: Im Gelände ging sie ständig durch, keiner wollte sie reiten. Sie war mein erstes „Problempferd“. Statt sie zu bremsen, habe ich sie auf einer langen Bergwiese am losen Zügel angefeuert – eine Reaktion, die sie gar nicht kannte –, bis sie von selbst zur Ruhe kam. Von da an waren wir uns einig. Ich konnte sie allein über meine Körpersprache reiten.

Jasmin Rogatsch umarmt ihre Stute Angel auf einer Blumenwiese

Mit neunzehn kam Angel in mein Leben. Ich hatte mir bewusst eine Irish-Tinker-Stute ausgesucht, weil ich ein entspanntes, robustes Wanderreitpferd wollte. Schnell wurde klar, dass ich damals überhaupt nicht wusste, worauf ich mich eingelassen hatte. Mehr als einmal bin ich völlig frustriert und weinend aus dem Stall nach Hause gekommen, mehr als einmal wurde mir geraten, sie wegzugeben. Aber ich wollte den Weg mit ihr unbedingt gemeinsam gehen – weil ich wusste, dass nicht sie das Problem war, sondern ich. Sie ins Training zu geben und mich selbst nicht weiterzuentwickeln, ergab für mich keinen Sinn. Mir war klar: Ich musste eine Lösung finden. So begann meine Suche – und die sollte noch lange dauern.

Ein entscheidender Wendepunkt war Marc Lubetzkis Artikel „Die Leithengstlüge“. Er hat ausgesprochen, was ich tief in mir immer schon gefühlt hatte – und was mir bis dahin immer wieder ausgeredet worden war: zu gefährlich, unmöglich, so gehe das nicht. Damals begriff ich zum ersten Mal, dass das nie meine Grenze war, sondern die der anderen.

Studium und viele Fortbildungen brachten mich meinem Gefühl und meinem Traum schon nahe. Die große Wende aber kam 2018: Nach einem psychischen Zusammenbruch zeigte sich mir, worauf es wirklich ankommt. Wenn nichts mehr übrig ist, bleibt nur eines – die Wahrheit. Damals dachte ich, die Welt geht unter. Heute weiß ich: Das war das Beste, das mir passieren konnte.

Jasmin Rogatsch bei der Bodenarbeit mit einem Pferd auf der Weide

Schon seit ich Anfang zwanzig war, begleite ich Menschen mit ihren Pferden. Geplant hatte ich das nie – es hat sich ergeben, ausschließlich über Mundpropaganda, nachdem Bekannte meinen Weg mit Angel gesehen hatten. Zweimal habe ich das Unterrichten aus Lebensumständen heraus aufgegeben, und beide Male wurde ich schnell wieder dorthin zurückgeholt. Der Grund war jedes Mal derselbe: ein Pferd und seine verzweifelte Besitzerin.

Seit meinem Abschluss bei Antje fühle ich mich vollständig. Das heißt nicht, dass ich fertig bin – als Wissensjunkie werde ich mich immer weiterbilden und ganz sicher noch viel von den Pferden lernen. Sie sind es ja, die mich dorthin gebracht haben, wo ich heute stehe. Sie haben mir gezeigt: Du hast dich nicht getäuscht, dein Gefühl war richtig, du bist auf dem richtigen Weg.

Und bis heute berührt es mich jedes Mal, wenn plötzlich möglich wird, was unmöglich schien, und ich ein Stück dieses Weges mitgehen darf. Da geht mir das Herz auf.

Jasmin Rogatsch steht mit ihrer Stute Angel und blickt über eine Hügellandschaft

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